Saturday, 22 June 2013

Κλείσιμο ΕΡΤ: Μαχαίρι στη καρδιά της Δημοκρατίας (πρωτότυπο κείμενο στη Γερμανική Γλώσσα)


Griechische Journalistin zu ERT-Aus: „Messer ins Herz der Demokratie“




Wien/Athen (APA) - „Was da geschah, war ein Messerstich ins Herz der Demokratie.“ Eugenia Katoufa, Journalistin des griechischen Staatsrundfunks ERT, kann es noch immer kaum fassen, dass die Regierung vor wenigen Tagen den nationalen Sender einfach abdrehen ließ. Aus Spargründen, wie es offiziell hieß. Griechenland wurde über Nacht zum einzigen EU-Land, das ohne öffentlich-rechtlichen Rundfunk/Fernsehen dastand. Nun hat das oberste Verwaltungsgericht entschieden, dass der Sender bis zu einer Umgestaltung weitersenden müsse. Eugenia Katoufa, die seit 32 Jahren beim ERT tätig ist, hielt sich am Dienstag bei einer Medien-Veranstaltung in Wien auf.

Die auf sozialpolitische Themen spezialisierte Radioreporterin weiß nicht, ob sie, wie die anderen Mitarbeiter des Staatsfunks, eigentlich noch angestellt oder entlassen ist. Jedenfalls ist sie „froh, dass der ERT weiter arbeitet“. Für Eugenia Katoufa war das Ganze „ein faschistischer Akt“. Nicht einmal unter der Diktatur sei je eine Schließung des ERT verfügt worden. Den Behörden, die jetzt die Umgestaltung des Staatssenders durchführen und die Zahl der Mitarbeiter halbieren sollen, misstraut Eugenia Katoufa zutiefst. Zu sehr sei die Klientel-Wirtschaft der großen Parteien verbreitet.

ERT zählt 2.650 Mitarbeiter. Diese sind in fünf TV-Kanälen und 26 Radiosendern tätig. Das ist ein großer Apparat. Das staatliche Fernsehen hat etwa einen eigenen Nachrichten- und einen Kulturkanal, weiters einen Kanal in Saloniki. Im Radio sendet ERT mit sieben nationalen Stationen aus Athen – mit eigenem Sender für Nachrichten, für Klassik, für Sport etc. – und weiteren 19 aus den Provinzen. Geplant sei jetzt die Schaffung neuer Strukturen mit halber Mannschaft im August. „Sie werden einige von den alten ERT-Leuten behalten“, meint Eugenia Katoufa mit gewisser Ironie.

Nach einer Zeitungsumfrage lehnten 64 Prozent der befragten Griechen die Schließung ab. Nach den Worten der Radiojournalistin leistete der Staatssender sehr qualifizierte Arbeit. Freilich kam ERT nur auf eine Quote von 14 Prozent. Einige Bereiche hätten zusammengelegt werden können, räumte Eugenia Katoufa ein. Seit 25 Jahren existieren auch zahlreiche private Sender, die viel Unterhaltung und wenig Qualität liefern. Generell durchlebe der Mediensektor in Griechenland eine tiefe Krise. Vor sechs, sieben Jahren schlossen einige Qualitätsblätter. Die Zeitung „To Vima“ gibt es nur noch online.

Die griechische Politologin Zoe Lefkofridi von der Universität Wien erklärte zu den Hintergründen, die EU-Troika habe Einsparungen Athens im öffentlichen Sektor verlangt und Ministerpräsident Antonis Samaras habe den Staatsfunk ins Visier genommen. Warum gleich eine Schließung per Dekret? Vielleicht um der Entscheidung zu entgehen „Wer wird gefeuert, wer kann bleiben?“ Lefkofridi geht davon aus, dass Samaras, der eine Dreier-Koalition führt, allein entschied. Seine konservative Nea Demokratia und die sozialistische PASOK sind derzeit mit der Demokratischen Linken (DIMAR) in einer Dreier-Koalition vereinigt. Samaras wurde zuletzt von seinen Koalitionspartnern kritisiert.

Lefkofridi sprach sich für eine Änderung des Wahlsystems aus. Die Ursache der Misere sieht die Politologin in der traditionellen Klientel-Politik der beiden Großparteien. „Nicht Kompetenz zählt, sondern Loyalität.“ Die Partei, die das Sagen hatte, pflegte ihre Klientel zu bedienen. Das geltende Wahlsystem, das der jeweiligen Regierungspartei Vorteile einräumt, sei auf eine Einparteienregierung angelegt.

Der sozial engagierten ERT-Journalistin Eugenia Katoufa war es ein Anliegen, in Wien die Krisensituation in Griechenland zu beleuchten. Die Krise habe 2008 begonnen und 2010 in voller Härte zugeschlagen. 27 Prozent der Bevölkerung lebten heute unter der Armutsgrenze. Selbstmorde seien Alltag. Die Arbeitslosigkeit sei besonders unter Frauen hoch (31 Prozent). In 400.000 Haushalten gebe es keinen Geldverdiener. Der Akademiker-Aderlass sei gewaltig (allein 4.000 Ärzte verließen Athen). Der Ansturm von Flüchtlingen sei groß, pro Jahr kämen bis zu 6.000 unbegleitete Jugendliche. Die rassistische Gewalt steige.

Δημοσιεύτηκε στην Tiroler Tageszeitung, στις 19 Ιουνίου 2013. 

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